Ratgeber

Was kostet eine Unfallversicherung?

Aktuelle Marktzahlen, Testsieger-Vergleiche und konkrete Preisspannen – alles, was Sie für eine kluge Entscheidung brauchen.

Kosten der Unfallversicherung

Definition

Eine private Unfallversicherung kostet zwischen 3 und 35 Euro pro Monat. Ein solider Tarif mit 100.000 Euro Grundsumme und 350 % Progression liegt für Erwachsene bei 7–22 Euro monatlich (84–264 Euro/Jahr). Kinder sind ab 3 Euro, Senioren ab 4 Euro versicherbar. Testsieger-Tarife mit Bestnote starten ab 9,90 Euro.

KostenfaktorEinfluss auf den Beitrag
VersicherungssummeJe höher die Summe, desto höher der Beitrag
Progression225 %, 350 % oder 500 % – erhöht Auszahlung und Beitrag
Beruf / GefahrengruppeGruppe B (Handwerk, Pflege) zahlt 50–100 % mehr als Gruppe A (Büro)
AlterKinder ab 3 €, Erwachsene 7–22 €, Senioren 4–10 €/Monat
ZusatzbausteineUnfallrente, Krankenhaustagegeld, Bergungskosten erhöhen den Beitrag

Auf einen Blick: Die 5 wichtigsten Fakten

Bevor wir ins Detail gehen, hier die Kernaussagen dieses Ratgebers. Diese fünf Punkte fassen zusammen, was Sie über die Kosten einer Unfallversicherung wissen müssen.

Monatlicher Durchschnitt

7–22 €

Erwachsene, 100.000 € Grundsumme, 350 % Progression

Günstigster Testsieger

ab 9,90 €

InterRisk XXL Plus – Franke & Bornberg FFF

Gefahrengruppe B

+50–100 %

Handwerker zahlen bis doppelt so viel wie Bürokräfte

Steuerl. absetzbar

bis 2.800 €

Selbstständige als Sonderausgaben (1.900 € für Angestellte)

Marktwachstum

+5,2 %

Prognose GDV für Schaden-/Unfallversicherung

Warum überhaupt eine private Unfallversicherung?

Es ist einer der häufigsten Denkfehler in der Finanzplanung: „Mir passiert schon nichts.“ Die Realität sieht anders aus. Rund 2,5 Millionen Menschen verunfallen in Deutschland jedes Jahr so schwer, dass sie ärztlich behandelt werden müssen. Und der entscheidende Punkt: Rund 80 Prozent dieser Unfälle passieren in der Freizeit – also genau dort, wo die gesetzliche Unfallversicherung nicht greift.

Die gesetzliche Unfallversicherung, die Ihr Arbeitgeber bezahlt, schützt Sie ausschließlich während der Arbeitszeit und auf dem Arbeitsweg. Das sind im Schnitt nur etwa 20 Prozent des Tages. Für die restlichen 80 Prozent – beim Sport, im Haushalt, auf Reisen, bei der Gartenarbeit – tragen Sie das Risiko selbst.

„Eine private Unfallversicherung ist kein Allheilmittel. Aber für Kinder, Senioren, Handwerker und Risikosportler kann sie die entscheidende Lücke zwischen gesetzlichem Schutz und realer Absicherung schließen.“
Verbraucherzentrale

Was viele nicht wissen: Die gesetzliche Unfallversicherung endet mit dem Renteneintritt vollständig. Wer als Rentner im Garten stürzt und sich eine Oberschenkelhalsfraktur zuzieht, steht ohne jede Absicherung da – es sei denn, eine private Police springt ein.

Marktanalyse: Zahlen und Trends

Der deutsche Unfallversicherungsmarkt befindet sich im Umbruch. Einerseits steigen die Beitragseinnahmen – der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rechnet mit einem Wachstum von 5,2 Prozent in der Schaden- und Unfallversicherung. Andererseits drängen digitale Anbieter (sogenannte InsurTechs) auf den Markt und erhöhen den Wettbewerb.

Für Verbraucher ist das eine gute Nachricht: Mehr Konkurrenz bedeutet bessere Tarife, transparentere Bedingungen und niedrigere Preise – zumindest im Basistarif-Segment.

Quellen: GDV Jahresmedienkonferenz, Handelsblatt, Verbraucherzentrale
KennzahlAktuellPrognoseQuelle
Brutto-Beiträge Schaden/Unfall99,7 Mrd. €+5,2 % WachstumGDV
Unfälle pro Jahr (DE)~2,5 Mio.StabilHandelsblatt
Freizeitunfälle~80 % aller UnfälleVerbraucherzentrale
Gesetzlicher SchutzNur ~20 % des TagesVerbraucherzentrale

Wichtig zu verstehen: Die gesetzliche Unfallversicherung deckt nur Arbeitszeit und Arbeitswege ab. Alle Freizeitunfälle, Haushalt, Sport und Reisen bleiben komplett ungeschützt. Eine private Police schließt diese Lücke – weltweit und rund um die Uhr.

Was zahlen verschiedene Zielgruppen?

Die Kosten einer Unfallversicherung hängen stark vom Alter, vom Beruf und von den gewählten Leistungen ab. Es gibt keinen „einen Preis für alle“. Stattdessen staffeln die Versicherer ihre Tarife nach Risikogruppen. Hier ein realistischer Überblick:

Kinder und Jugendliche (0–18 Jahre)

Kinder haben statistisch das geringste Risiko für dauerhafte Invalidität – deshalb sind die Tarife erfreulich günstig. Schon ab 3–8 € monatlich erhalten Eltern einen soliden Schutz. Empfehlenswert sind Tarife mit einer hohen Grundsumme (mindestens 200.000 €), Rooming-In-Leistung (Elternteil kann bei stationärem Aufenthalt im Krankenhaus übernachten) und 500 % Progression.

Ein besonders gut bewerteter Tarif ist die HUK24 Kinderunfallversicherung mit 84,80 € pro Jahr. Auch der InterRisk XXL Plus Taxe bietet für Kinder ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Erwachsene (19–64, Gefahrengruppe A)

Bürokaufleute, Ärzte, Architekten und IT-Fachkräfte fallen in die Gefahrengruppe A – sie üben Tätigkeiten mit geringem körperlichem Unfallrisiko aus. Für diese Gruppe liegen die monatlichen Kosten bei 7–15 € für einen Basis- oder Komforttarif und bei 16–35 € für Premium-Tarife mit Unfallrente.

Die wichtigste Faustregel: Die Invaliditätssumme sollte mindestens zwei bis drei Bruttojahresgehälter betragen. Wer 50.000 € im Jahr verdient, braucht also mindestens 100.000 bis 150.000 € Grundsumme – besser mehr.

Handwerker und körperlich Tätige (Gefahrengruppe B)

Hier wird es deutlich teurer. Dachdecker, Elektriker, Gastronomen, Kurierfahrer und Pflegekräfte zahlen 50 bis 100 Prozent mehr als vergleichbare Versicherte in Gefahrengruppe A. Das bedeutet: Für die gleiche Leistung fallen statt 12 € schnell 18 bis 24 € monatlich an.

„Besonders empfehlenswert für Handwerker: Die VHV Klassik-Garant Exklusiv verzichtet komplett auf die Unterscheidung nach Gefahrengruppen. Ob Dachdecker oder Buchhalter – der Beitrag ist identisch.“
Handelsblatt Versicherungs-Ranking

Für Selbstständige und Handwerker ist die Unfallrente (ab 50 % Invalidität) besonders wichtig. Sie sichert das Einkommen ab, wenn nach einem schweren Unfall die eigene Arbeitskraft dauerhaft eingeschränkt ist.

Senioren (65+ Jahre)

Mit dem Renteneintritt entfällt der gesetzliche Unfallschutz vollständig. Gleichzeitig steigt das Sturzrisiko im Alter deutlich. Seniorentarife kosten laut Stiftung Warentest (2022) zwischen 48 und 120 € jährlich und setzen den Fokus auf Assistance-Leistungen: Haushaltshilfe nach einem Unfall, Menüservice, Fahrdienste zum Arzt, Oberschenkelhalsbruch-Pauschale.

Gut bewertete Seniorentarife bieten unter anderem die HUK24 (SeniorenUnfall) und die VHV (Klassik 60+).

Kostenübersicht nach Zielgruppe (Richtwerte)
ZielgruppeMonatlichJährlichTypischer Leistungsumfang
Kinder (0–18)3–8 €36–96 €100.000 €, 500 % Progression, Rooming-In
Erwachsene (Gruppe A)7–15 €84–180 €100.000 €, 350 % Progression, verbesserte Gliedertaxe
Erwachsene (Gruppe B)15–25 €180–300 €Gleiche Leistung wie Gruppe A, erhöhter Beitrag
Senioren (65+)4–10 €48–120 €50.000 €, Assistance, Oberschenkelhalsbruch
Premium (mit Rente)16–35 €192–420 €150.000 €, 500 % Progression, Unfallrente

Die 5 Faktoren, die Ihren Beitrag bestimmen

Warum zahlt ein Versicherter 7 € und ein anderer 35 € pro Monat? Der Preis einer Unfallversicherung ergibt sich aus dem Zusammenspiel von fünf Stellschrauben. Wer diese versteht, kann gezielt sparen – oder bewusst in besseren Schutz investieren.

1. Die Invaliditätssumme (Grundsumme)

Die Grundsumme bestimmt, wie viel Geld Sie bei 100 % Invalidität erhalten. Die goldene Regel: Mindestens das Zwei- bis Dreifache Ihres Bruttojahresgehalts. Bei einem Jahreseinkommen von 50.000 € sollten es also mindestens 100.000 bis 150.000 € sein. Der Beitrag steigt linear mit der Grundsumme – doppelte Summe bedeutet in etwa doppelten Beitrag.

2. Der Beruf (Gefahrengruppe)

Versicherer teilen Berufe in zwei Gruppen ein. Gefahrengruppe A umfasst überwiegend sitzende Tätigkeiten (Büro, Verwaltung, akademische Berufe). Gefahrengruppe B gilt für körperlich fordernde Berufe (Handwerk, Gastronomie, Pflege). Der Beitragsunterschied ist erheblich: Gruppe-B-Versicherte zahlen 50 bis 100 Prozent mehr für die gleiche Leistung.

3. Die Progression – der entscheidende Hebel

Die Progression ist der wichtigste – und am häufigsten missverstandene – Faktor. Sie sorgt dafür, dass bei schweren Verletzungen überproportional mehr ausgezahlt wird. Bei einer Grundsumme von 100.000 € und 350 % Progression erhält der Versicherte bei 50 % Invalidität nicht 50.000 €, sondern 100.000 €. Bei 100 % Invalidität sind es sogar 350.000 € statt 100.000 €.

Auszahlungsbeispiel bei 100.000 € Grundsumme
InvaliditätsgradOhne Progression225 %350 %500 %
25 %25.000 €25.000 €25.000 €25.000 €
50 %50.000 €75.000 €100.000 €150.000 €
75 %75.000 €143.750 €193.750 €312.500 €
100 %100.000 €225.000 €350.000 €500.000 €

Unser Tipp: Die Erhöhung von 350 % auf 500 % Progression kostet nur etwa 3–6 € mehr im Monat. Dieser vergleichsweise geringe Aufpreis macht bei Schwerverletzungen (Rollstuhl, Erblindung) einen Unterschied von mehreren hunderttausend Euro. Das ist die kosteneffizienteste Stellschraube überhaupt.

4. Die Gliedertaxe – die versteckte Bewertungsliste

Die Gliedertaxe ist eine Art „Preisliste für Körperteile“. Sie legt fest, welchen Invaliditätsgrad der Verlust oder die Funktionsunfähigkeit einzelner Körperteile ausmacht. Der Unterschied zwischen der Standard-Gliedertaxe (nach GDV-Musterbedingungen 2020) und der verbesserten Gliedertaxe eines Premium-Tarifs kann erheblich sein:

Standard-Gliedertaxe (GDV 2020) vs. verbesserte Taxe (Top-Tarife)
KörperteilStandardVerbessertDifferenz
Arm70 %75–80 %+7–14 %
Hand55 %65–70 %+18–27 %
Daumen20 %30 %+50 %
Bein (über Mitte OS)70 %75–80 %+7–14 %
Fuß40 %50 %+25 %
Auge50 %55 %+10 %
Gehör (ein Ohr)30 %35 %+17 %

Die Auswirkungen können dramatisch sein: Für einen Chirurgen, Musiker oder Handwerker bedeutet der Verlust des Daumens das Ende der beruflichen Existenz. Bei der verbesserten Gliedertaxe erhält er 30 statt 20 Prozent angerechnet – das sind bei 100.000 € Grundsumme 10.000 € mehr Leistung. Der Aufpreis für die verbesserte Gliedertaxe liegt bei nur 2–4 € monatlich.

5. Zusatzbausteine – modularer Schutz nach Bedarf

Moderne Unfallversicherungen sind modular aufgebaut. Sie können einen Basis-Tarif mit gezielten Zusatzbausteinen ergänzen. Die wichtigsten:

BausteinWas er leistetAufpreis ca.
Unfallrente (ab 50 % Inv.)Monatliche Zahlung, lebenslang+7–12 €
Krankenhaustagegeld50 € pro Tag bei stationärem Aufenthalt+2–3 €
BergungskostenSuch-, Rettungs-, Rückholtransport+1–2 €
Kosmetische OperationenBis 20.000 € für unfallbedingte Eingriffe+1–2 €
Sofortleistung10–20.000 € bei Querschnittslähmung, Amputation+1–2 €
AssistanceHaushaltshilfe, Menüservice, Fahrdienste+3–5 €

Praxis-Hinweis: Die Unfallrente ist besonders für Selbstständige und Handwerker essenziell. Sie sichert das monatliche Einkommen ab, wenn nach einem schweren Unfall die Arbeitskraft dauerhaft eingeschränkt ist. Angestellte mit bestehender Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) können häufig darauf verzichten.

Häufig übersehen: Mitwirkungsanteil bei Vorerkrankungen

Ein Detail, das im Ernstfall tausende Euro kosten kann: der Mitwirkungsanteil. Wenn Vorerkrankungen wie Arthrose, Diabetes oder Osteoporose zur Schwere der Unfallfolgen beigetragen haben, kürzt der Versicherer die Leistung anteilig.

Nach den Standard-Bedingungen (AUB 2020 des GDV) gilt: Liegt der Mitwirkungsanteil unter 25 %, wird nicht gekürzt. Ab 25 % wird anteilig gekürzt, ab 75 % entfällt die Leistung vollständig.

Konkretes Beispiel: Ein Versicherter bricht sich bei einem Sturz das Bein. Der Invaliditätsgrad wird auf 30 % festgestellt. Der Versicherer argumentiert, eine bestehende Arthrose habe zu 40 % mitgewirkt. Ergebnis: Statt 30.000 € (bei 100.000 € Grundsumme) werden nur 18.000 € ausgezahlt. Eine Differenz von 12.000 €.

Die Lösung: Tarife wählen, die auf den Mitwirkungsanteil verzichten oder ihn erst ab einem deutlich höheren Schwellenwert ansetzen. Anbieter wie Askuma (komplett ohne Mitwirkungsanteil) oder InterRisk XXL (Mitwirkung erst ab 100 %) bieten hier den besten Schutz.

Die Testsieger im Überblick

Drei unabhängige Institutionen haben in den letzten Monaten Unfallversicherungen getestet. Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Wer gut vergleicht, bekommt hervorragenden Schutz schon für unter 15 € im Monat.

Franke & Bornberg Rating

Franke & Bornberg ist die strengste Ratingagentur im deutschsprachigen Raum. Die Bestnote FFF+ („Hervorragend“) erhalten nur wenige Tarife. Hier die Top-Ergebnisse für einen 35-jährigen Versicherten in Gefahrengruppe A, mit 100.000 € Grundsumme und 350 % Progression:

AnbieterTarifRatingab / Monat
HanseMerkurBest GoldFFF+ (Hervorragend)14,50 €
InterlloydEurosecurePlusFFF+ (Hervorragend)10,80 €
InterRiskXXL Plus TaxeFFF (Hervorragend)9,90 €
IdealUnfallschutz ExklusivFFF (Hervorragend)12,80 €
VHVKlassik-Garant ExklusivFFF (Hervorragend)13,20 €
JanitosBest Selection ExklusivFFF (Hervorragend)11,50 €

Handelsblatt Ranking

Top 3 für Angestellte

  1. InterRisk XXL (Testsieger Preis-Leistung)
  2. VHV Klassik-Garant
  3. Die Haftpflichtkasse Einfach Komplett

Top 3 für Handwerker

  1. VHV Klassik-Garant (keine Gefahrengruppen!)
  2. Prokundo UV Premium
  3. Askuma (Verzicht auf Mitwirkungsanteil)

Stiftung Warentest (2021) – der aktuellste Test dieser Institution – bewertete 13 von 112 untersuchten Tarifen mit „Sehr gut“. Darunter: Allianz Basis Unfallschutz, InterRisk XXL und VHV Klassik. Hauptkritikpunkt an vielen durchgefallenen Tarifen: zu niedrige Grundsummen und schlechte Gliedertaxen.

Verbraucherschutz: Für wen lohnt sich die Unfallversicherung wirklich?

Nicht jeder braucht eine Unfallversicherung. Die Verbraucherzentrale weist zu Recht darauf hin, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) in den meisten Fällen wichtiger ist – denn 90 Prozent aller Invaliditätsfälle werden durch Krankheiten verursacht, nicht durch Unfälle. Die BU deckt beides ab, die UV nur Unfälle.

Dennoch gibt es klare Fälle, in denen die Unfallversicherung die richtige Wahl ist:

Sinnvoll für

  • Kinder und Jugendliche – BU ist in jungen Jahren oft nicht abschließbar
  • Senioren – BU endet meist mit 67, UV läuft unbegrenzt weiter
  • Risikosportler – Motocross, Klettern, Paragliding, Tauchen
  • Handwerker – erhöhtes berufliches Unfallrisiko
  • Als Ergänzung zur BU – für die einmalige Kapitalleistung bei Unfall

Weniger sinnvoll für

  • Erwachsene mit guter BU – BU deckt bereits Krankheit und Unfall ab
  • Reine Bürotätige ohne Risikosport – geringes Unfallrisiko in Beruf und Freizeit

Die drei häufigsten Streitfälle – und wie Sie sich schützen

Die BaFin-Beschwerdestatistik 2023 zeigt: Streitigkeiten bei Unfallversicherungen drehen sich fast immer um dieselben drei Themen.

Streitfall 1: Der Gutachterkrieg um den Invaliditätsgrad

Das häufigste Problem: Der Versicherer beauftragt eigene Gutachter, die systematisch niedrigere Invaliditätsgrade feststellen als der behandelnde Arzt. Die Lösung: Einen Anwalt für Versicherungsrecht einschalten, ein unabhängiges Gegengutachten einholen und darauf achten, dass die Versicherungsbedingungen ein „Ärztliches Schiedsgutachten“ vorsehen.

Streitfall 2: Die 15-Monats-Frist verpasst

Invalidität muss innerhalb von 15 Monaten nach dem Unfall gemeldet und ärztlich festgestellt werden. Wer diese Frist verpasst, verliert den Anspruch – auch wenn die Invalidität unbestreitbar ist. Ausnahme: Nachweisbare Handlungsunfähigkeit (z. B. Koma oder schwere Hirnverletzung).

Streitfall 3: Überhöhter Mitwirkungsanteil

Versicherer argumentieren, eine Vorerkrankung habe zu 80 % mitgewirkt – und verweigern die Leistung fast vollständig. Die Beweislast liegt allerdings beim Versicherer. Wer einen Tarif ohne Mitwirkungsanteil wählt (z. B. Askuma), umgeht dieses Risiko von vornherein.

„Die meisten berechtigten Beschwerden in der Unfallversicherung betreffen die Höhe der Invaliditätsfeststellung und die Anwendung des Mitwirkungsanteils. Versicherte sollten bei Vertragsschluss besonders auf diese beiden Punkte achten.“
BaFin Beschwerdestatistik 2023

Steuerlich absetzbar? Ja, aber mit Einschränkungen

Grundsätzlich können die Beiträge zur privaten Unfallversicherung als Sonderausgaben (Vorsorgeaufwendungen) in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Die Höchstbeträge: 1.900 € für Angestellte, 2.800 € für Selbstständige.

Die Realität: In den meisten Fällen ist dieser Höchstbetrag bereits durch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ausgeschöpft. Beispiel: KV/PV-Beiträge von 4.500 € jährlich, Höchstbetrag nur 1.900 € – die Unfallversicherung kann steuerlich nicht mehr berücksichtigt werden.

Es gibt allerdings einen wenig bekannten Ausweg: Wenn die Unfallversicherung überwiegend berufliche Risiken absichert, können die Beiträge als Werbungskosten abgesetzt werden – und zwar ohne Begrenzung. Das gilt etwa für Kurierfahrer, Außendienstmitarbeiter oder Handwerker, die den Großteil ihrer Arbeitszeit unterwegs sind.

Steuer-Tipp: Ein Kurierfahrer, der 80 % seiner Zeit beruflich unterwegs ist, kann 80 % der Unfallversicherungs-Prämie als Werbungskosten absetzen – zusätzlich zu den 1.900 € Sonderausgaben-Höchstbetrag und ohne Begrenzung.

Zukunftstrends: So verändert sich der Markt

Der Unfallversicherungsmarkt digitalisiert sich rasant. InsurTech-Anbieter wie Adam Riese (digitaler Antrag in 3 Minuten, KI-gestützte Schadenanalyse), Getsafe (komplette App-Verwaltung) und Neodigital (Blockchain-basierte Schadenregulierung) setzen die etablierten Anbieter unter Druck.

Ein weiterer Trend: Dynamik- und Inflationsschutz-Klauseln. Dabei erhöhen sich Versicherungssummen und Beiträge automatisch um rund 5 % pro Jahr – ohne erneute Gesundheitsprüfung. Das schützt vor Kaufkraftverlust bei langen Vertragslaufzeiten. Der jährliche Beitragsanstieg kann allerdings jederzeit widersprochen werden.

Insgesamt entwickelt sich der Markt in Richtung modularer Bausteine statt starrer Pakete, klarerer Versicherungsbedingungen mit weniger Ausschlüssen und einem stärkeren Fokus auf Assistance-Leistungen – besonders für die wachsende Zielgruppe der über 65-Jährigen.

InsurTech-Anbieter im Überblick
AnbieterInnovationVorteil
Adam RieseDigitaler Antrag in 3 Min., KI-SchadenanalyseSchnelle Abwicklung
GetsafeApp-gesteuerte Verwaltung, Live-ChatHohe Transparenz
NeodigitalBlockchain-basierte SchadenregulierungBetrugsschutz

Vertiefende Themen: Sportler, gesetzliche UV und BU

Sportlerabsicherung: Risikosportarten und Zuschläge

Wer regelmäßig Risikosportarten ausübt, muss mit Zuschlägen von 20 bis 100 Prozent auf den Grundbeitrag rechnen – oder braucht eine separate Sportversicherung. Zu den relevanten Sportarten zählen unter anderem Fallschirmspringen, Tauchen ab 40 Meter Tiefe, Klettern ab Schwierigkeitsgrad 5 und Motorsport-Rennen. Einige Versicherer wie die NÜRNBERGER bieten spezielle Extremsport-Tarife an, die diese Risiken ohne pauschalen Zuschlag abdecken.

Private vs. Gesetzliche Unfallversicherung im Vergleich

Viele Menschen verwechseln die gesetzliche mit der privaten Unfallversicherung – dabei unterscheiden sie sich grundlegend. Die gesetzliche UV wird vom Arbeitgeber bezahlt, greift aber nur während der Arbeitszeit und auf dem Arbeitsweg. Die private UV hingegen schützt weltweit, rund um die Uhr, und zahlt eine Kapitalsumme bei dauerhafter Invalidität aus.

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
KriteriumPrivate UVGesetzliche UV
Schutzumfang24/7, weltweitNur Arbeitszeit + Arbeitsweg
LeistungKapitalzahlung + opt. RenteReha, Verletztengeld, Rente
KostenSelbst bezahlt (7–35 €/Monat)Arbeitgeber bezahlt
ZielgruppeJederArbeitnehmer, Schüler, Studenten
EndeKeine AltersgrenzeEndet mit Renteneintritt

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) vs. Unfallversicherung

Eine häufige Frage: Reicht die Unfallversicherung als Einkommensschutz? Die kurze Antwort: Nein. Die BU ist in fast allen Fällen die wichtigere Absicherung, denn 90 Prozent aller Invaliditätsfälle entstehen durch Krankheiten, nicht durch Unfälle. Die Unfallversicherung ist eine sinnvolle Ergänzung, aber kein Ersatz für die BU.

KriteriumBerufsunfähigkeit (BU)Unfallversicherung (UV)
UrsacheUnfall + KrankheitNur Unfall
LeistungMonatliche RenteEinmalzahlung (+ opt. Rente)
Kosten50–150 €/Monat7–22 €/Monat
EmpfehlungGrundschutz Nr. 1Sinnvolle Ergänzung
„Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist die wichtigste Absicherung nach der Krankenversicherung. Eine Unfallversicherung kann sie ergänzen, aber niemals ersetzen – denn 90 Prozent aller Invaliditätsfälle werden durch Krankheiten verursacht.“
Verbraucherzentrale

Welcher Tarif passt zu Ihnen? Ein Entscheidungsleitfaden

Die Wahl der richtigen Unfallversicherung hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Beantworten Sie die folgenden fünf Fragen, um eine erste Orientierung zu bekommen:

Wie alt sind Sie?

  • 0–18 Jahre: Kinder-Tarif (ab 3 €/Monat)
  • 19–64 Jahre: Erwachsenen-Tarif (7–35 €/Monat)
  • 65+ Jahre: Senioren-Tarif mit Assistance (4–10 €/Monat)

Welchen Beruf üben Sie aus?

  • Büro, Verwaltung, akademisch: Gefahrengruppe A (Standardpreis)
  • Handwerk, Pflege, Gastronomie: Gefahrengruppe B (+50–100 %)

Haben Sie Vorerkrankungen?

  • Ja: Tarif ohne Mitwirkungsanteil wählen (z. B. Askuma, InterRisk XXL)
  • Nein: Standard-Tarif möglich

Betreiben Sie Risikosportarten?

  • Ja: Tarif mit Extremsport-Klausel oder Spezialversicherung
  • Nein: Standard-Tarif ausreichend

Brauchen Sie Einkommenssicherung?

  • Ja (Selbstständige, Handwerker): Unfallrente ab 50 % dringend empfohlen
  • Nein (Angestellte mit BU): Einmalzahlung genügt

Unsere Top 5 Tarife im Überblick

Basierend auf den Ratings von Franke & Bornberg, dem Handelsblatt-Ranking und der Analyse von Stiftung Warentest empfehlen wir folgende fünf Tarife, die in ihrem jeweiligen Segment das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten:

#1

HanseMerkur Best Gold

FFF+ (Hervorragend)

Für höchste Ansprüche ohne Kompromisse

ab 14,50 €/Monat

  • Verbesserte Gliedertaxe
  • Unfallrente schon ab 30 % Invalidität
  • Psychische Reaktionen nach Unfällen mitversichert

#2

InterRisk XXL Plus Taxe

FFF (Hervorragend)

Testsieger Preis-Leistung, ideal für Familien

ab 9,90 €/Monat

  • Keine Altersbegrenzung
  • Tägliches Kündigungsrecht
  • Mitwirkungsanteil erst ab 100 %

#3

VHV Klassik-Garant Exklusiv

FFF (Hervorragend)

Speziell empfehlenswert für Handwerker (Gefahrengruppe B)

ab 13,20 €/Monat

  • Keine Gefahrengruppen-Unterscheidung
  • Knochenbruch-Sofortleistung
  • Bergungskosten unbegrenzt

#4

Ideal Unfallschutz Exklusiv

FFF (Hervorragend)

Optimal für Sportler und Aktive

ab 12,80 €/Monat

  • Unfallrente bereits ab 25 % Invalidität
  • Infektionsklausel inklusive
  • Verbesserte Gliedertaxe

#5

HUK24 Kinderunfallversicherung

Empfehlung für Kinder

Der beste Schutz für Kinder und Jugendliche

84,80 €/Jahr (7,07 €/Monat)

  • 100.000 € Grundsumme + 500 % Progression
  • Rooming-In-Leistung
  • Schulweg mitversichert

Häufig gestellte Fragen

Wie viel kostet eine gute Unfallversicherung pro Monat?
Erwachsene zahlen zwischen 7 und 22 € monatlich für einen Tarif mit 100.000 € Grundsumme und 350 % Progression. Kinder sind ab 3–8 € versicherbar, Senioren ab 4–10 € monatlich. Premium-Tarife mit Unfallrente kosten 16–35 €.
Kann ich die Unfallversicherung von der Steuer absetzen?
Ja, als Sonderausgaben bis 1.900 € (Angestellte) bzw. 2.800 € (Selbstständige). In der Praxis ist dieser Betrag oft durch KV/PV-Beiträge ausgeschöpft. Tipp: Berufliche Unfallversicherung kann zusätzlich als Werbungskosten unbegrenzt abgesetzt werden.
Welche Unfallversicherung ist die beste?
Testsieger bei Franke & Bornberg: HanseMerkur Best Gold (FFF+) und InterRisk XXL Plus (FFF, bestes Preis-Leistungs-Verhältnis). Für Handwerker: VHV Klassik-Garant (keine Gefahrengruppen-Unterscheidung). Für Kinder: HUK24 Kinderunfallversicherung.
Was bedeutet Progression in der Unfallversicherung?
Die Progression erhöht die Auszahlung überproportional bei schweren Verletzungen. Bei 100 % Invalidität und 500 % Progression wird das Fünffache der Grundsumme ausgezahlt. Beispiel: 100.000 € Grundsumme werden zu 500.000 €. Der Aufpreis für höhere Progression ist vergleichsweise gering.
Wann zahlt die Unfallversicherung nicht?
Typische Ausschlüsse: Unfälle durch Bewusstseinsstörungen (Alkohol, Drogen), vorsätzliche Straftaten, Kriegsereignisse, Rennsport mit Motorfahrzeugen und Unfälle als Pilot (ohne Zusatzvereinbarung). Premium-Tarife schließen einige dieser Ausschlüsse ein.
Was ist der Mitwirkungsanteil?
Der Anteil, zu dem Vorerkrankungen (Arthrose, Diabetes etc.) zur Schwere der Unfallfolgen beigetragen haben. Ab 25 % wird die Leistung gekürzt. Top-Tarife wie Askuma verzichten komplett auf den Mitwirkungsanteil – ein wichtiges Qualitätsmerkmal.
Ist eine Unfallversicherung für Rentner sinnvoll?
Ja, besonders wichtig sogar. Mit dem Renteneintritt entfällt der gesetzliche Unfallschutz komplett, gleichzeitig steigt das Sturzrisiko. Seniorentarife mit Assistance-Leistungen (Haushaltshilfe, Fahrdienste) kosten ab 48 € jährlich.
Was kostet eine Unfallversicherung für Kinder?
Ab 3–8 € monatlich (36–96 € jährlich). Empfehlung: 100.000 € Grundsumme, 500 % Progression und Rooming-In-Leistung. Die HUK24 bietet einen der besten Kindertarife am Markt für 84,80 € pro Jahr.

Fazit: Gut versichert muss nicht teuer sein

Die private Unfallversicherung ist kein Luxusprodukt. Für 10 bis 15 € im Monat erhalten Erwachsene bereits einen hervorragend bewerteten Tarif mit 100.000 € Grundsumme, 350 % Progression und verbesserter Gliedertaxe. Kinder sind ab 3 € monatlich absicherbar, Senioren ab 4 €.

Entscheidend ist nicht der niedrigste Preis, sondern das richtige Verhältnis aus Leistung und Kosten. Achten Sie beim Vergleich besonders auf diese vier Punkte:

Checkliste für den Tarifvergleich

  • 1.Gliedertaxe prüfen – verbesserte Taxe bietet bis zu 50 % mehr Leistung bei einzelnen Körperteilen
  • 2.Mitwirkungsanteil beachten – Tarife ohne oder mit hohem Schwellenwert bevorzugen
  • 3.Progression wählen – mindestens 350 %, besser 500 % (geringer Aufpreis, große Wirkung)
  • 4.BU hat Vorrang – die Berufsunfähigkeitsversicherung bleibt das wichtigere Produkt
„Eine gute Unfallversicherung ist für viele Verbraucher sinnvoller als eine teure Lebensversicherung. Entscheidend ist, auf die Details zu achten: Gliedertaxe, Progression und Mitwirkungsanteil machen den Unterschied.“
Stiftung Warentest, Finanztest 2022

Quellen und Datengrundlage

  • GDV Jahresmedienkonferenz
  • Stiftung Warentest / Finanztest
  • Franke & Bornberg Rating
  • Handelsblatt Versicherungs-Ranking
  • Transparent-beraten.de
  • ServiceValue Fairness-Studie
  • BaFin Beschwerdestatistik
  • Verbraucherzentrale.de
  • GDV AUB Musterbedingungen

Alle Angaben ohne Gewähr | Individuelle Beratung empfohlen